Grußwort von Ralf Wortmann,
Bezirksregierung Detmold
Sehr geehrte Frau Schmitz-Neuland,
sehr geehrter Herr Raschke,
sehr
geehrte Frau Paproth, stellvertretend für das gesamte Leitungsteam,
sehr geehrte Frau Glücks,
sehr geehrte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
der HVHS Frille,
sehr geehrte Damen und Herren!
Weil ich es auf keinen Fall vergessen möchte, sage ich es gleich zu Beginn: Ich wünsche der HVHS Alte Molkerei Frille – ausdrücklich auch im Namen der Regierungspräsidentin Frau Thomann-Stahl und von Herrn Dr. Herbig – herzlich Glückwunsch zum 30. Geburtstag und alles Gute für eine gedeihliche Weiterentwicklung in schwieriger Zeit.
Vieles was zu wünschen und zu sagen ist, haben meine Vorrednerinnen und Redner trefflich geäußert. Ich schließe mich dem selbstverständlich uneingeschränkt an. Als ich die Einladung zu dieser Festveranstaltung anlässlich des 30 jährigen Jubiläums bekam, habe ich mich Erstens sehr gefreut und Zweitens überlegt: Was kannst du sagen, was nicht schon meine Vorrednerinnen und Redner hier an dieser Stelle gesagt haben.
Bis gestern ging ich noch davon aus, dass vor mir Frau Duncke, von der Landeszentrale für politische Bildung – die leider heute terminlich anderweitig gebunden ist – bereits den bildungspolitischen Teil und die aktuellen Probleme in der Weiterbildung angesprochen hätte.
Ich selbst habe mir die Mühe gemacht und bin in den Keller unserer Bezirksregierung gegangen und habe mir die Anerkennungsakte beginnend im Jahr 1975 herausgesucht. Ich denke mir, dass es sehr interessant ist wenn man sieht, mit welchen Problemen die damaligen Verantwortlichen zu „kämpfen“ hatten bevor es zu der Anerkennung dieser Weiterbildungseinrichtung kam.
Dem Engagement dieser – damals jungen Leute – ist es zu verdanken, dass wir heute hier sein dürfen. Stellvertretend für alle, die sich vor mehr als 30 Jahren dieser schwierigen Aufgabe gestellt haben, möchte ich an dieser Stelle Herrn Falk Bloech und Dr. Burkhard Luber nennen. Ich werde später noch einmal auf diese Anfangszeit zurück kommen.
Dass Bildung und Weiterbildung als Investitionen für die Zukunft eine entscheidende Bedeutung haben, ist unbestritten. Und ebenso unbestritten ist, dass die Forderung nach mehr und besserer Bildung im krassen Widerspruch steht zur Finanzausstattung, die für die Weiterbildungseinrichtungen derzeit vom Land und den Trägern gewährt wird. Aus diesem voraussichtlich noch anhaltenden Dilemma einen geeigneten Ausweg zu finden ist sehr schwer.
Seit dem Jahr 2002 sind die Weiterbildungseinrichtungen immer wieder Kürzungen ausgesetzt, die die Bildungsarbeit erheblich erschweren. Für das Jahr 2007 plant die Landesregierung eine weitere Kürzung um 18%. Somit würden sich die Kürzungen, seit dem Jahr 2002, auf insgesamt 38 % summieren. Dass das Land, wie auch jeder andere öffentliche Haushalt sparen muss, ist unbestritten und wird auch von den meisten Bürgerinnen und Bürgern unterstützt. Es dar nicht passieren, dass um des Sparens Willen, die plurale und leistungsfähige Weiterbildungsinfrastruktur im Land irreparabel beschädigt wird.
Ich weiß durch meine Arbeit und meinen Gespräche vor Ort mit den Weiterbildungseinrichtungen, dass vor allem die kleineren und ländlichen Weiterbildungseinrichtungen weitere Kürzungen gar nicht oder nur sehr schwer auffangen können und daher um ihre Existenz bangen müssten. Mir bleibt nur zu hoffen, das hier noch ein Umdenken geschieht und dass die erforderlichen finanziellen Mittel für eine leistungsfähige und für die Gesellschaft unverzichtbare Weiterbildungslandschaft wie bisher zur Verfügung gestellt werden.
So gesehen, wäre ich heute anstatt warmer Worte, lieber mit einem Koffer voller Geld erschienen. Aber wie sie sehen ...
Wie vorher schon angesprochen, möchte ich jetzt noch einmal kurz auf die Gründungsjahre eingehen. Am 13.11.1975 wurde von der damaligen Aktionsgemeinschaft Friedenswoche e.V. der Antrag auf Anerkennung für das „Politische Bildungswerk für Friedensarbeit“ gestellt. Es war – und ist auch heute nicht so, dass das schon alles war. Vielmehr musste man eine Reihe von Kriterien erfüllen. Aus einer Anlage der Herren Bloech und Luber geht hervor, dass sich der Verein zum Ziel machte, auf die Notwendigkeit gewaltfreier Konfliktlösungen und sozialer Gerechtigkeit hinzuweisen. Sie zitieren darin die Worte von Georg Picht: „ Der Friede ist eine zu wichtige Angelegenheit, als dass man ihn allein den Politikern und Wissenschaftlern überlassen dürfte.“
Der Verein veranstaltete in den Jahren 1972 – 1975 Friedenswochen in Minden. Das Ziel war es, die Bevölkerung langfristig für die vielfältigen Probleme des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit zu interessieren und möglichst auch zu verantwortlichen politischen Handeln zu motivieren. Schnell wurde den Verantwortlichen aber klar, dass die punktuelle Durchführung von Friedenswochen kein ausreichendes Mittel sein konnte. Aus dieser Analyse zog der Verein die Konsequenz und bot neben den Friedenswochen politische Bildungsveranstaltungen für die Bevölkerung an.
Mit Bericht der Bezirksregierung vom 22. März 1976 an das Ministerium für Wissenschaft und Forschung wurde empfohlen, den Antrag auf Anerkennung abzulehnen. Begründet wurde dies damit, dass der überwiegende Teil der Weiterbildungsmaßnahmen im Freundschaftsheim Bückeburg – und somit in Niedersachsen – stattfinden würde und somit die Gewähr der Dauer nicht gewährleistet wäre. Dem zu Folge erfolgte am 07.04.1976 die Ablehnung des Antrages.
Aber die Verantwortlichen ließen sich dadurch nicht entmutigen und legten weitere Nachweise über durchgeführten Unterricht vor. Mit Bericht an das Ministerium hatte sich dann am 28.09. 1976 die Sachlage etwas geändert. Die grundsätzlichen Anerkennungsvoraussetzungen lagen nunmehr vor, aber nicht befürwortet wurde die Durchführung von Internatsveranstaltungen im vereinseigenen Haus in Frille. Ich zitiere:“ Ich habe Bedenken, weil die ehemalige Molkerei von dem Raumangebot, der baulichen Sicherheit und den sanitären Verhältnissen weit unter dem Niveau vergleichbarer Einrichtungen liegt. Selbst Bettstätten sind nicht vorhanden, vielmehr nächtigen die Kursteilnehmer auf Matratzen, die ohne Gestell auf dem Fußboden ausgelegt sind“
Gleichzeitig wurde in dieser Angelegenheit der OKD der Kreises um Bericht gebeten. Am 26.10. 1976 erfolgte dann die gnadenlose Besichtigung durch das Gesundheitsamt des Kreises aus deren Bericht ich gerne einige Passagen zitieren möchte:
„Es handelt sich um einen alten, stark verwinkelten Fachwerkbau mit engen Gängen und verhältnismäßig kleinen Räumen.“ Nachfolgend wurde die Örtlichkeit detailliert beschrieben.
An anderer Stelle heißt es. „Der Küchenchef war nicht im Besitz eines gültigen Gesundheitszeugnisses. Alle Wohnräume und auch die Toiletten machten einen recht primitiven Eindruck, zum Teil auch dadurch verursacht, dass die Bewohner der Räume das Recht haben, ihre Räume selber in den Ihnen genehmen Farben zu streichen und so einzurichten, wie es ihnen passt. Dadurch resultiert ein unordentlicher und düsterer Eindruck. Weiter:“ Wie aus dem Gesagten zu entnehmen ist, sind die gegenwärtigen Verhältnisse der ehemaligen Molkerei in Frille für den vorgesehenen Zweck einer Weiterbildungseinrichtung mit Internatsbetrieb aus hygienischer Sicht unbefriedigend und unzureichend.“ Zum Schluss aber: „Die Jungen Leute der Aktionsgemeinschaft Friedenswoche machen einen sehr positiven Eindruck. Bei den ideellen Voraussetzungen der Aktionsgemeinschaft, ihrem guten Willen, ihrer Arbeitswilligkeit und ihrer festen Absicht, aus diesem Bau etwas zu schaffen, glaube ich aber, dass in absehbarer Zeit und Bereitstellung entsprechender Mittel aus diesem Bau noch etwas geschaffen werden kann.
Ach ja: Es bleibt noch zu erwähnen, dass am 29.10.1976 mit Wirkung vom 01.01.1976 das Politische Bildungswerk für Friedensarbeit anerkannt wurde. Am 22. August wurde dann diese Anerkennung auf den Internatsbetrieb der Heimvolkshochschule erweitert. Die damaligen Verantwortlichen haben hervorragendes geleistet. Sie haben sämtliche baurechtlichen Sachen gemeistert und einen Berg von Papierkram beantwortet und eingereicht. Sie haben sich entmutigen lassen und hatten ihr Ziel fest im Auge. Ihnen sei an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön gesagt.
Seit dem sind 30 Jahre vergangen und es gab Zeiten mit Höhen und Tiefen die von den in der Verantwortung stehenden immer gemeistert wurden. Ich hoffe, dass dies auch in den nächsten 30 Jahren so sein wird. Ich kann für mich mit Fug und Recht behaupten, dass ich immer gerne zu Ihnen gekommen bin und auch weiterhin kommen werde.
Behalten sie der Einrichtung den Charakter und den Charme den sie seit Jahren hat. Ich bedanke mich bei Ihnen für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit und sichere Ihnen zu, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten, ihnen auch zukünftig ein verlässlicher Partner sein werden.
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit!
Ralf Wortmann
Bezirksregierung Detmold
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